Der neue Schwerpunktbereich 3

Europäisches und Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht in der Rechtspraxis

Die Vertiefungsmöglichkeit im Schwerpunktbereich 3 richtet sich primär an Kandidatinnen und Kandidaten, die sich in ihrem späteren Berufleben eine international ausgerichtete Tätigkeit als Anwältin oder Anwalt, als Notar/in oder in einem Wirtschaftsunternehmen vorstellen können. Auch wenn Sie in einer kleinen oder mittelständigen Kanzlei arbeiten möchten, werden Sie in Ihrer täglichen Arbeit wegen der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung des europäischen Binnenmarktes und der hohen Mobilität von Privatpersonen mit immer mehr auch mit grenzüberschreitenden Fallkonstellationen in Berührung kommen.
Fragen der internationalen gerichtlichen Zuständigkeit und der grenzüberschreitenden Vollstreckung von Urteilen tauchen beispielsweise nicht erst im Fall der gerichtlichen Rechtsdurchsetzung auf, sondern sind wie kollisionsrechtliche Fragen schon bei der Vertragsgestaltung zu berücksichtigen und damit in der Beratungspraxis von großer Bedeutung. Der europäische Gesetzgeber schafft für den Europäischen Justizraum und zunehmend auch im Kollisionsrecht eine umfassende eigenständige Rechtsmaterie, die im Grundstudium nur am Rande behandelt werden kann, aber von erheblicher praktischer Bedeutung ist. Die von der Europäischen Kommission initiierte Ausarbeitung eines sog. Europäischen Referenzrahmens für das Europäische Vertrags- bzw. Zivilrecht (Common Frame of Reference) hat einen wissenschaftlichen Entwurf für ein Europäisches Zivilgesetzbuch hervorgebracht (2008), über dessen Bedeutung und ggf. Umsetzung in den nächsten Jahren eine rechtspolitische Diskussion geführt werden muss. Dies ist eine immense Herausforderung für die europäische Zivilrechtswissenschaft, aber auch für die Praxis, deren Bedürfnisse die Harmonisierung vorrangig bestimmen. Eine fundierte Auseinandersetzung kann nur auf der Basis rechtsvergleichenden und rechtshistorischen Grundwissens erfolgen. Ziel der Ausbildung im Schwerpunktbereich 3 ist es daher einerseits, eine wissenschaftliche Vertiefung in den Grundlagenfächern der Rechtsvergleichung und Rechtsgeschichte zu ermöglichen, darüber hinaus aber auch die praktischen Aspekte des immer internationaler werdenden Privat- und Zivilverfahrensrechts anzusprechen.