Der Rückgang der Fallzahlen vor deutschen Zivilgerichten

Das Projekt im Überblick:

Obwohl das deutsche Gerichtssystem und insbesondere die Ziviljustiz einen sehr guten Ruf genießen, sinken die Fallzahlen der deutschen Gerichte in Zivilsachen seit Jahren. Dieser Rückgang hat inzwischen ein massives Ausmaß erreicht. Über die Gründe für diese Entwicklung herrscht Unklarheit; ebenso über die Frage, ob und in welchem Umfang andere Mechanismen der Streiterledigung oder -vermeidung an die Stelle der Verfahren für Zivilsachen getreten sind. Für die Rechtspflege, ja die Justiz insgesamt, sind solche Entwicklungen besorgniserregend, da ihr das Fallmaterial entzogen wird, auf dessen Grundlage sie zur Weiterentwicklung der objektiven Rechtsordnung beitragen kann. Letztlich gerät das Gewaltmonopol des Staates in Gefahr, wenn Rechtsstreitigkeiten mehrheitlich außerhalb der dafür vorgesehenen staatlichen Institutionen ausgetragen werden. Aber auch für die Gesellschaft und die Wirtschaft stellt sich die Frage, ob der Verfahrensrückgang auf entsprechend nachlassenden Bedürfnissen beruht oder ob er auf nicht befriedigte Bedürfnisse zurückzuführen ist und damit auf eine (Gerechtigkeits-)Lücke hinweist.

Projektleiter:

Prof. Dr. Michael Stürner

Mitarbeiterin:

Selina Domhan

Einschlägige Veröffentlichungen:

1.  M. Stürner, Außergerichtliche Streitschlichtungsmechanismen als Mittel der Rechtsfindung und Rechtsdurchsetzung, in: Juristische Studiengesellschaft Karlsruhe (Hrsg.), Jahresband 2014, Heidelberg 2015, S. 63

2. M. Stürrner, Litigation in the 21st century; how attractive is the German civl justice system?, Tijdschirft voor Civiele Rechtspleging (TCR) 2016, S. 145

3. R. Wilhelmi/M. Stürner (Hrsg.), Post M&A-Schiedsverfahren. Recht und Rechtsfindung jenseits gesetzlichen Rechts, Springer-Verlag, Wiesbaden 2019

4. M. Stürner, Deutsche Commercial Courts, in: Juristische Studiengesellschaft Karlsruhe (Hrsg.), Jahresband 2019 (erscheint 2020)