Vortrag Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Heinz Ladeur, Hamburg

Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Heinz Ladeur, Hamburg

“Moses Mendelssohn und die Schrift des Gesetzes”

Kants formale vernunftrechtliche Gründung des Gesetzes in der Autonomie des Subjekts hat die Frage nach der Herkunft der Substanz des Gesetzes  nicht dauerhaft beantworten können. Die Berufung auf „Das moralische Gefühl in mir“ hat Kant selbst für nicht tragfähig gehalten. Der Hegel’sche Übergang zu einer historisch-genealogischen Selbstbegründung des Rechts setzt ein starkes Vertrauen in die Sozialität des Prozesses der Selbstgründung der Vernunft voraus. Ein vergleichender Blick auf das jüdische Gesetz gibt den Blick frei auf eine andere Form der Gebung des Gesetzes. Diese hat Kant als Unterwerfung verlangende Fremdherrschaft verworfen. Aber ist das richtig? Eine Spiegelung des jüdischen Gesetzes auf das „westliche“ Gesetz unter Rekurs auf Moses Mendelssohns Sprachtheorie kann eine Perspektive eröffnen, die das „Problem des Gesetzes“ nicht löst, aber  „Demarkationslinien“ in Frage stellt und gerade seiner Unlösbarkeit neue Ideen  zur Rechtsphilosophie in der Postmoderne abzugewinnen sucht.